HÄUFIGE FRAGEN ZUM BERUFSBILD DES LABORMEDIZINERS

Was macht ein Laborarzt / Facharzt für Laboratoriumsmedizin?

Über die medizinischen Aufgaben des Facharztes für Laboratoriumsmedizin (kurz: Laboratoriumsmediziner, umgangssprachlich: Laborarzt) findest du hier einen ausführlichen Artikel: Was macht ein Laborarzt / Laboratoriumsmediziner?

Was spricht für den Beruf des Labormediziners?

Die Gründe, warum jemand Labormediziner werden will, sind natürlich sehr individuell. Gemeinsame Nenner vieler Assistenzärzte für Labormedizin:

  • Großes Interesse an Interdisziplinarität / Vielfältigkeit. Neben dem Medizinischen z.B. auch in den Bereichen Labororganisation und Qualitätsmanagement bzw. Forschung und Lehre.
  • Häufig bestehen auch Vorerfahrungen in der Forschung (z.B. im Rahmen der Dissertation) bzw. der Wunsch nach einem Fach mit diagnostisch-theoretischem Schwerpunkt

Siehe dazu auch folgenden Artikel: Warum Labormedizin?

Was spricht gegen die Weiterbildung zum Facharzt für Labormedizin?

Zu diesem Thema gibt es einen eigenen Artikel: Argumente gegen die Weiterbildung zum Laborarzt

Wie bist du zur Labormedizin gekommen?

Folgende Berufslaufbahnen habe ich im Gespräch mit anderen Assistenzärzten der Labormedizin kennengelernt:

  • Insbesondere die jüngeren Assistenten in der Labormedizin sind diejenigen, die direkt nach Absolvieren der ärztlichen Prüfung in der Labormedizin gestartet sind. Für diese Gruppe an Ärzten stand es meist schon relativ früh fest, dass die Labormedizin das geeignete Fach ist. Sie konnten sich daher schon länger im Vorraus Gedanken dazu machen. Nicht alle dieser Assistenten hatten die Gelegenheit, während ihres Studiums eine Famulatur oder ein PJ in der Labormedizin zu absolvieren, da ihre Universität dies nicht zugelassen hat. Die Entscheidung für die Labormedizin wurde dann häufig angeregt durch Bekannte und Freunde, die bereits in der Labormedizin tätig waren. Auch führen die Wege von anderen theoretischen Fächern, wie z.B. der Humangenetik, manchmal in die Labormedizin.
  • Ältere Assistenzärzte, die ihre Laufbahn im Labor mit circa 30 Jahren beginnen, haben zuvor häufig in einem anderen Fach gearbeitet. Eine Kollegin war beispielsweise jahrelang Assistentin in der Inneren Medizin, bis sie schließlich bemerkte, dass die Arbeit nicht zufriedenstellend für sie war. Noch vor Abschluss des Facharztes für Innere Medizin entschied sie sich dann für die Labormedizin.
  • Geplante Fachwechsel gibt es ebenfalls, so gibt es beispielsweise einige Mikrobiologen oder Transfusionsmediziner, für die es schon relativ früh feststand, dass sie später zusätzlich die Labormedizinerausbildung machen wollen. Fertige Mikrobiologen können sich große Teile ihrer Mikrobiologie-Ausbildung auf den Facharzt für Labormedizin anrechnen lassen.
  • Andere ältere Assistenten beginnen mit der Labormedizinerlaufbahn bereits ihre zweite Facharztausbildung. Diese Assistenten sind typischerweise circa 40-50 Jahre alt. Hier gibt es beispielsweise Internisten, die aufgrund ihres Interesses und ihrer bisherigen Arbeit sich schon immer mit labormedizinischen Fragen auseinandergesetzt haben. So können beispielsweise Internisten oder Gynäkologen die Fachkunde Labormedizin erwerben und wollen letztlich dieses Wissen weiter ausbauen.

Wo arbeitet ein Laborarzt bzw. was für Labore gibt es?

Der Facharzt für Labormedizin arbeitet in einem Medizinlabor. Medizinlabore können entweder ambulante Einrichtungen oder an eine Klinik / Uniklinik angeschlossen sein. Zu den unterschiedlichen Laboren gibt es einen ausführlichen Artikel: Was für Medizinlabore gibt es?

Wie sieht der Alltag eines Labormediziners aus?

Dazu gibt es hier einen Beitrag: Was macht ein Laborarzt?

Besteht in der Laboratoriumsmedizin auch Patientenkontakt?

Ob und wieviel Patientenkontakt besteht, hängt von den einzelnen Medizinlaboren ab. In ambulanten Großlaboren besteht in der Regel gar kein oder nur wenig Patientenkontakt (z.B. über eine Ambulanz). An (Uni)Kliniken kann es ggf. durch den Laborarzt begleitete Stationsvisiten geben oder der Laborarzt wird konsiliarisch an das Krankenbett gerufen.

Wie ist die Work-Life-Balance?

In der Labormedizin ist – zumindest häufiger als in anderen fachärztlichen Gebieten – eine gute Work-Life-Balance vorhanden, da die Dienstwechsel (Früh – Spät – evtl.- Nacht) meist ohne wesentliche Überstunden gelingen.

Wie sieht es aus mit Diensten / Schichten in den Medizinlaboren?

In fast jedem größeren Labor existieren überschneidende Schichtdienste. Häufig sind diese als Früh- und Spätschicht sowie Nachtdienst geregelt. Frühdienste beginnen typischerweise zwischen 8-9h, Spätdienste ab ungefähr 13h. Spätdienste dauern, je nach Probeneingang des Labors, circa bis 21/22h, manchmal aber auch länger. Während im Frühdienst die meisten Ärzte anwesend sind, wird meist nur ein einziger Arzt für den Spät- oder Nachtdienst eingeteilt, sodass man nach Arbeitsende der anderen Kollegen der alleinige Arzt im Labor ist (d.h. ab circa 17 Uhr). Als Assistenzarzt sollte man jedoch immer einen Hintergrundarzt zugeteilt bekommen (oder darauf bestehen), den man bei Unklarheiten telefonisch erreichen kann und der idealerweise im Zweifelsfall auch schnell zur Hilfe eilen kann.

Labore, die ausschließlich die Proben von niedergelassenen Ärzten analysieren, haben aufgrund der Praxisöffnungszeiten nicht oder seltener einen Probeneingang an Feiertagen, in der Nacht oder am Wochenende. Sehr häufig müssen jedoch trotzdem Befunde am Wochenende abgearbeitet werden, dies betrifft z.B. die Mikrobiologie, Prä-OP-Anforderungen (damit das Ergebnis am Montag bereits vorliegt) und gerade jetzt in Zeiten von Corona auch die Ergebnisse der Corona-Tests. Der Arbeitsaufwand hält sich meist in Grenzen, sofern das Labor eine gute und faire Arbeitsteilung organisieren kann.

Wie sieht es mit Nachtdiensten aus? Nachtschichten gibt es typischerweise in Laboren von Unikliniken, städtischen Kliniken aber auch immer häufiger in niedergelassenen Laboren. Eine Assistenzärztin beschrieb den Arbeitsaufwand folgendermaßen: „Nachtdienste machen mir gar nichts aus. Klar, du wirst ab und zu mal wach geklingelt und manchmal musst du dann in das Labor reinfahren. Aber dann sind es spannende Sachen, wo es sich wirklich lohnt”. Ob die Dienste extra vergütet werden, ist eine Frage des Vertrages bzw. der Vertragsverhandlung. Extravergütung für Dienste gibt es an Unikliniken, während ambulante Großlabore wenn überhaupt einen Freizeitausgleich anbieten.

Wie viel verdient ein Laborarzt / Labormediziner?

Zum Thema Gehalt und Verdienstmöglichkeiten von Laborärzten gibt es hier einen gesonderten Artikel: Gehalt und Verdienstmöglichkeiten als Laborarzt

Ist eine große Klinikerfahrung für den Beruf notwendig?

Fragt man die „alte Generation“ an Labormedizinern mit doppelter Facharztbezeichnung, so raten diese einem manchmal dazu, vor der Facharztausbildung zum Laborarzt unbedingt mehrere Jahre klinisch zu arbeiten (vor allem in der Inneren Medizin). Eine große Klinikerfahrung ist für den Beruf des Laborarztes natürlich sehr vorteilhaft, weil es das Lernen der theoretischen labormedizinischen Inhalte sehr erleichtert und das differentialdiagnostische Denken sowie den „klinischen Blick“ schult. Schließlich deckt die Labormedizin inhaltlich fast jedes andere Fachgebiet ab und der Kontakt mit Ärzten anderer Fachrichtungen gehört zum Berufsalltag des Labormediziners. Diese Gründe sind es u.a., warum die Weiterbildungsordnung für Labormedizin ein klinisches Jahr vorsieht. Eine mehrjährige Klinikerfahrung ist jedoch, ganz allgemein gesprochen, keine Grundvoraussetzung, um ein guter Laborarzt zu werden. Wie viele Jahre an klinischer Erfahrung welchen Vorteil bringen, ist letztlich jedoch eine individuelle Entscheidung und hängt von der gewünschten Laufbahn ab.

In wie weit ist man in die Forschung involviert?

Dies hängt in erster Linie davon ab, ob in dem Medizinlabor, in dem man arbeiten will, überhaupt geforscht wird. Forschung wird i.d.R. an Unikliniken betrieben. Hier ist eine Beteiligung an Projekten häufig erwünscht, jedoch ist dies individuell abzuklären. Auch einige ambulante Labore sind in die Forschung eingebunden, auch hier lohnt sich eine genauere Nachfrage zur Möglichkeit bzw. Verpflichtung zur Forschung.

Ist es so, dass man das Klinische Jahr schon vor Beginn der Facharztausbildung zum Labormediziner abgeleistet haben sollte?

Oft liest man in Stellenanzeigen, dass vor dem Beginn der Facharztausbildung zum Labormediziner das klinische Jahr bereits absolviert sein sollte. Das hat auch gute Gründe. Tatsächlich ist es von Vorteil bereits mit klinischer Erfahrung in die Laborarztausbildung zu starten, auf der aufgebaut werden kann. Außerdem erleichtert es die vertragliche Gestaltung mit dem Arbeitgeber, da dann ein nahtloser Vertrag bis zur Facharztprüfung abgeschlossen werden kann und der Arbeitgeber den Assistenzarzt nicht „mittendrin“ oder am Ende der Facharztausbildung entbehren muss. Alle Assistenzärzte, mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe, sehen das „Abhaken“ des klinischen Jahres als große Entlastung für die weitere Facharztausbildung an.

Wie ist die Stellensituation in der Labormedizin?

„Im Internet sind eigentlich gar nicht so viele Stellen ausgeschrieben“ schrieb ein Forenteilnehmer im Forum der Webseite. In der Tat werden Stellen nicht immer ausgeschrieben, auch wenn diese existieren. Dies mag verschiedene Gründe haben. Da die Nachfrage für die Ausbildung zum Labormediziner nicht besonders groß ist, bedarf es einen unverhältnismäßig hohen (finanziellen) Aufwand, ständig aktuelle Anzeigen in z.B. Onlineportalen oder Ärztezeitschriften zu schalten. Ein weiteres Argument nannte mir ein ärztlichen Leiter im persönlichen Gespräch: „Wir hatten einmal die Stelle offiziell ausgeschrieben. Wenige Tage später landeten unzählige Emails in meinem Postfach von ausländischen Ärzten und Headhuntern, sodass ich der Flut gar nicht mehr Herr wurde. Nicht-deutschsprachige Ärzte sind aber für unser Labor kaum nützlich, da wir einen Beratungsservice für unsere Einsender anbieten, die uns jederzeit telefonisch erreichen können. Fließende Deutschkenntnisse sind daher neben der fachlichen Eignung unabdingbar.“

Sicherlich gibt es hier noch mehr Gründe, warum die Stellen für Labormedizin nicht immer ausgeschrieben sind.

Die Konsequenz daraus ist eine frühzeitige Initiativbewerbung anzustreben. Es gibt im Vergleich zu anderen Fachrichtungen zwar wesentlich weniger Stellen, allerdings auch wesentlich weniger interessierte Bewerber / potenzielle Assistenzärzte für Labormedizin.

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